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Atemmuskeltraining als effektive Präventionsmaßnahme

Atemmuskeltraining als effektive Präventionsmaßnahme

Erkenntnisse aus Studien zum Atemmuskeltraining zeigen auf, warum die Atemmuskulatur so wichtig ist: Bei schweren Covid-19-Verläufen kommt es zu Atemnot, welche die Atemmuskulatur zu kompensieren versucht. Bei Atemversagen muss der Patient künstlich beatmet werden. Je länger dieser Vorgang andauert, desto mehr wird die Atemmuskeln geschwächt und die und die Ruheatmung kann nach der Beatmung nicht immer aufrechterhalten werden.

Beatmungsdauer verkürzen

Studien haben gezeigt, dass die Dauer der künstlichen Beatmung durch Atemmuskeltraining verkürzt werden kann. Dies bedeutet, dass Atemtraining das Risiko möglicher Komplikationen nach einer künstlichen Beatmung reduziert und die Dauer eines Krankenhausaufenthaltes verkürzen kann.

Nicht nur in Bezug auf Covid 19 ist Atemtraining wichtig und in der Arbeit mit meinen Klienten nicht mehr wegzudenken. Oft sind unsere Körper von falschen Atemmustern geprägt, die nicht nur Einfluss auf unser Stresslevel haben (siehe Ausschüttung von Cortisol). Einen starken Einfluss haben sie auch auf unsere Haltung, auf Schmerzen durch erhöhten Muskeltonus, Schlafstörungen, Bluthochdruck etc.

Wir atmen im Schnitt immerhin 18.000 – 20.000 Mal pro Tag. Daher können wir mit einfachen Umstellungen schon viel erreichen. Der erste Schritt ist die Umgewöhnung von Mund- zur Nasenatmung.

Vorteile der Nasenatmung

Die eingeatmete Luft wird in der Nase befeuchtet und gelangt erwärmt in die Lunge. Beispiel: 6° kalte Außenluft hat nach dem Einatmen durch die Nase im hinteren Rachenraum bereits 30°, in der Lunge beträgt ihre Temperatur dann 37°. Zudem hat die Nasenatmung eine Filterfunktion, da sie beträchtliche Mengen an Bakterien und Viren beseitigt, so dass die Virenlast verringert werden kann.

Außerdem wird Stickstoffmonoxyd, ein wichtiges Gas, auf das ich später noch eingehen werde, nur gebildet, wenn die Atmung durch die Nase erfolgt.

Nachteile der Mundatmung

Die Mundatmung führt durch eine veränderte Bakterienflora zu Mundgeruch. Während des Schlafens verursacht sie eine Trockenheit des Mundraums, was zudem zu Karies und Zahnfleischerkrankungen führen kann. Außerdem führt sie nachweislich zu einer deutlichen Zunahme des Schnarchens und der obstruktiven Schlafapnoe (Atemaussetzer).

Stickstoffmonoxyd

Stickstoffmonoxyd (NO) hat viele positive Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit. So dient es im Nervensystem als wichtiger Signalstoff, der Einfluss auf Gehirn und Magen-Darmfunktion nimmt. In den Abwehrzellen wird NO gebildet, das aufgrund seiner starken Reaktionsfreudigkeit in der Lage ist, Bakterien zu zerstören. Zudem beugt NO Bluthochdruck vor, senkt den Cholesterinspiegel, wirkt der Bildung von Gerinnseln und Ablagerungen in den Arterien vor. All dies reduziert das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Für die Sportler, die ihre Leistungsfähigkeit optimieren wollen, ist es interessant, dass die Atemwege geweitet werden, da enge Blutgefäße tendenziell zu Leistungseinbußen führen.

Ein Einfaches „Summen“ wie bei der „Bienenatmung“ aus dem Yoga kann die Produktion von NO in den Nasennebenhöhlen um bis zur fünffachen Menge steigern (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine).

Bewährtes Anti-Stress-Mittel

Atmung wirkt direkt auf unser Nervensystem. Sie läuft überwiegend autonom, also unbewusst, ab. Durch den Einsatz bestimmter Atemtechniken können Vagusnerv und Inselrinde gezielt aktiviert werden, die emotionale Regulation gefördert sowie Stress, chronischen Schmerzen und Angstgefühlen entgegengewirkt werden. Die einfachste Technik, um dies zu erreichen, ist das verlängerte Ausatmen (AA).

Das verlängerte AA wirkt stark parasympathisch und daher stressregulierend. Diese Atemtechnik aktiviert den Vagusnerv, der Informationen aus dem Körperinneren in die Inselrinde sendet. Die verlängerte AA, sowie Atemkontrollübungen (länger ausatmen als einatmen) aktivieren den hinteren und vorderen Teil der Insel. Im vorderen Teil der Insel befindet sich das sozial-emotionale Zentrum, dass bei Panikattacken, depressiven Episoden und Phobien in den Vordergrund rückt. Mit der verlängerten AA können wir also die oben genannten Phänomene beeinflussen. Die mit und ohne Hilfsmittel durchführbaren Atemtechniken werden im Atemtraining erlernt.

Übung

Eine simple Übung zur Atemverlängerung ist die Strohalmatmung. Nimm einen Strohhalm entspannt in den Mund (alternativ spitze die Lippen). Nimm zwei Atemzüge, atme dabei durch die Nase ein und durch den Strohhalm aus, ohne die Luft durchpusten zu wollen. Dabei liegt eine Hand auf dem Brustkorb, die andere auf dem Bauch. Es sollte sich beim Atmen nur die auf dem Bauch liegende Hand bewegen. Im Anschluss der Übung wird geschaut, wie das Nervensystem darauf reagiert.

Quellenangaben:

  • Studie zur Atemmuskelkräftigung also Präventionsmaßnahmen in der Pandemie (IDIAG AG)
  • Stickstoffmonoxyd Medizin-Netz.de
  • Lars Lienhardt/Ulla Schmidt-Fetzer: Neuronale Heilung. Riva Verlag, 2019

Autorin:

Alexandra Raj

www.alexandra-raj.net


Foto: yodiyim – stock.adobe.com


Diesen sowie weitere Artikel findest du in der TRAINER Ausgabe 01|2021

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