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Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen

Was Trainer unbedingt beachten sollten

Um Kunden mit chronischen Schmerzen optimal betreuen zu können, ist es wichtig, die Entstehungsmechanismen von Schmerzen zu verstehen. Patrick Meinart zeigt auf, wie Schmerzen entstehen, wie sie reduziert werden können und was du beim Training beachten solltest.

Schmerz hat seine Grundlage immer in der Verarbeitung sensorischer Reize im Gehirn. Das Gehirn empfängt nicht nur Signale aus der Umgebung, sondern es interpretiert diese auf Grundlage ihm zur Verfügung stehender Informationen. Um Schmerzen zu verstehen, ist es notwendig, nicht monokausal zu denken. Schmerz hat seine Ursache häufig in einer Vielzahl von miteinander verwobenen Faktoren. Um Schmerzen bewältigen zu können, ist es wichtig, diese Faktoren zu verstehen. Dabei hilft das Modell der Schmerz-Neuromatrix, das einen Überblick über die relevanten Faktoren bei der Schmerzentstehung schafft. Das Modell zeigt auf, dass Schmerz u. a. von der psychosozialen Situation der Person, ihren Erfahrungen und Wertvorstellungen, aber auch von ihren Ängsten und Sorgen abhängig ist. Der psychische Zustand spielt daher eine wesentliche Rolle bei der Interpretation und der Verarbeitung von Schmerzen. Die Schmerz-Neuromatrix hat sich dabei aus der Gate-Control-Theorie entwickelt und ist aktuell eines der Hauptmodelle für die Interpretation von Schmerzen und ihrer Entstehungsgrundlage. Das Modell beschreibt ein breit gefächertes Neuronennetzwerk, das u. a. aus dem Thalamus, dem Kortex und dem limbischen System besteht.

INDIVIDUELLE NEUROSIGNATUR

Daraus ergibt sich eine individuelle Neurosignatur, die von sensorischen Informationen von außen beeinflusst wird. Die sensorischen Informationen an sich sind nicht der Schmerz, sondern werden als Nozizeption verstanden – als ein potenziell schädigender Reiz. Schmerz wird immer erst auf Grundlage dieser sensorischen Informationen vom Gehirn interpretiert. Dabei kann Schmerz sogar auch ohne sensorische Informationen entstehen. Je länger Schmerzen bestehen, desto weniger steht der Schmerz mit einer strukturellen Schädigung des Gewebes in Verbindung. Nach einer Verletzung ist es häufig normal, Schmerzen zu haben. Doch diese können auch bestehen bleiben, wenn das Gewebe bereits längst verheilt ist. Je länger Schmerzen bestehen bleiben, desto stärker ist das Nervensystem involviert; dies sollte in der Therapie und im Training Berücksichtigung finden.

LANGFRISTIGE SCHMERZREDUKTION

Nozizeptive Signale können auf Rückenmarks- und Hirnstammebene moduliert werden. Es gibt Bereiche in unserem Nervensystem, die eine Nozizeption abmildern, aber auch verstärken können. Auf sensorischer Ebene können andere Rezeptoren dabei helfen, nozizeptive Signale zu überlagern. Wenn wir unser Knie an einem Tisch stoßen, reagieren wir häufig damit, die schmerzende Stelle zu reiben. Dabei führt das Reiben zu einer Aktivierung von Mechanorezeptoren, die die „Bedrohungssignale“ der Nozizeptoren überlagern (Gate-Control-Theorie). Dies führt zu einer Abmilderung der Signalweiterleitung. In etwas höher gelegenen Arealen, im Hirnstamm, befinden sich schmerzunterdrückende Neurotransmitter, die ebenfalls unsere bewusste Schmerzwahrnehmung deutlich beeinflussen können. Dabei spielt die Produktion von Serotonin und Enkephalin im Hirnstamm eine wichtige Rolle. Das Enkephalin ist ein Opioid mit morphinähnlicher Wirkung. Je mehr Enkephalin von unserem Nervensystem produziert wird, desto stärker wird das schmerzauslösende Signal unterdrückt.

SCHMERZ IST INDIVIDUELL

Für viele Trainer ist es eine Herausforderung, konkrete Trainingsanweisungen zu geben. Schmerz ist individuell und somit sollte auch das Training individuell auf die jeweilige Person zugeschnitten werden. Manche Untersuchungen zeigen, dass bei chronischen Rückenschmerzen ein gezieltes Core- Training für die Schmerzbeseitigung genauso sinnvoll sein kann wie ein Spaziergang. Daher ist es ratsam, die Bewegungs- oder Trainingsstrategie zu wählen, die am ehesten ausgeführt wird. Vielfältige und abwechslungsreiche Bewegung ist häufig sinnvoller, als immer das Gleiche zu tun. Grund sätzlich gilt, dass nicht in den Schmerz hineintrainiert werden sollte. Für viele ist es häufig schwierig, zwischen Unwohlsein und tatsächlichem Schmerz zu differenzieren. Es ist immer besser, passiv zu starten, sich seiner Grenze langsam anzunähern und im Laufe der Zeit seine Grenze weiter zu verschieben. Dadurch entsteht eine Anpassung, die langfristig zu einer Schmerzreduktion führen kann. Durch das Ausprobieren von Bewegungen fällt es leichter, die eigenen Grenzen auszuloten. Dazu gehört auch, in welchen Gelenkwinkeln trainiert werden kann. Häufig sind bestimmte Gelenkpositionen schmerzhaft, die durch eine Anpassung der Übungsausführung im Training vermieden werden können. Es geht also nicht zwingend darum, eine Übung gänzlich wegzulassen, sondern darum, sie vielmehr an das eigene Beschwerdebild anzupassen. Die folgenden Tipps können hilfreich sein, um Schmerzen bei dir selbst oder bei deinen Kunden in den Griff zu bekommen.


„Den ganzen Artikel findest Du hier

Fotos: ikostudio – stock.adobe.com

 

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