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Eisenmangel

Eisenmangel

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten |

Eine ausreichende Eisenversorgung ist vor allem für Sportler essenziell, da schlechte Eisenwerte zu niedrigen Hämoglobinwerten und damit zu einem eingeschränkten Sauerstofftransport zu den Muskeln führen kann. Dr. med. Moritz Tellmann klärt über Ursachen, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten von Eisenmangel auf.

Eisen ist ein wahrerer Alleskönner. Das Spurenelement ist aus vielen Stoffwechselprozessen im Körper nicht wegzudenken und höchst relevant für ein gesundes und vor allem energievolles Leben. Am prominentesten ist wohl seine Funktion als Sauerstoff-bindendes zentrales Element im Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, der den Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft durch unser Kreislaufsystem zu den Organen und damit in die Zellen bringt.
Doch Eisen ist in weit mehr Körperkompartimenten zu finden, als die meisten wissen. So spielt es auch im muskulären Myoglobin eine tragende Rolle, ist aber auch wichtiger Teil vieler Enzymsysteme, u. a. im Immunsystem, und auch als Teil der mitochondrialen Atmungskette essentiell. Auch bei der Synthese der Schilddrüsenhormone ist es notwendig. Der Körper eines gesunden Menschen enthält circa 3–5 Gramm an Eisen; der Großteil davon ist an Hämoglobin gebunden. Der Rest (ca. 500 – 1000 mg) befindet sich als „Speichereisen“ an Proteine gebunden. Zu nennen sind hier vor allem das Akute-Phase-Protein (APP) bzw. das Entzündungsprotein Ferritin, das den mobilen Eisenspeicher des Körpers im Blut darstellt, aber auch Transferrin, ein Eiweiß, das Eisen im Blut transportiert, und der lösliche Transferrin-Rezeptor. Das freie Plasmaeisen ist mengenmäßig verschwindend gering vertreten.

RISIKOFAKTOREN FÜR EISENMANGEL

Der Eisenhaushalt wird nahezu ausschließlich über die Aufnahme aus der Nahrung im Darm reguliert und gesteuert. Viele Frauen entwickeln durch den Blutverlust bei der Regelblutung einen Mangel; ein Verlust von 50 ml Blut im Rahmen einer normalen Zyklusblutung führt zu einem Eisenverlust von bis zu 25 mg. Aber auch chronische Erkrankungen wie bösartige Tumore mit Blutungsneigung (Magen-Darm-Trakt) oder entzündliche Erkrankungen sowie die Einnahme von Antikoagulanzien (Gerinnungshemmern) können einen chronischen Blutund damit Eisenverlust bewirken. Zusätzlich stellt eine vegetarisch bzw. vegane Ernährung durch den überwiegenden Konsum von Lebensmitteln mit schlecht resorbierendem Nicht-Häm-Eisen (dreiwertiges Eisen) ein Risiko für einen Mangel dar, da das Nicht-Häm-Eisen zunächst im Darm in zweiwertiges Eisen umgewandelt werden muss und so vom Körper weniger gut aufgenommen wird als Häm-Eisen. Zusammen mit einer hohen Leistungsanforderung im Alltag (Sport, Beruf, hohe Stresslast) kann dann schnell ein Eisendefizit entstehen.

SYMPTOME BEI MANGEL

Die typischen Symptome, die Patienten mit einem Eisenmangel beschreiben, sind die klassische Kombination aus Müdigkeit, nicht erholsamem Schlaf, Blässe, Erschöpfung, Infektanfälligkeit, niedrigem Energielevel, brüchigen Nägeln, Haarausfall und Mundwinkeleinrissen (Rhagaden). Bei einem starken Eisenmangel kommen gegebenenfalls noch Symptome wie Anämie, Herzrasen, Kopfschmerzen, ein niedriger Blutdruck mit einer Neigung zu Schwindel bis hin zu schwersten Kreislaufdysfunktionen, was allerdings in der Praxis nicht oft vorkommt. Jedoch können auch eine Depression und eine rasche muskuläre Ermüdbarkeit Teil einer Eisenmangelsymptomatik sein. Oft verschlechtert sich auch bei Patienten mit einer chronischen Erkrankung mit inflammatorischem Charakter, wie z. B. Störungen der Schilddrüse, entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu rheumatischen Erkrankungen, der gesundheitliche Zustand.


EISEN TOP TEN

Die „Top Ten“ eisenhaltiger Lebensmittel (mit Angabe des Eisengehalts pro 100 g):

      • Leber (30 mg)
      • Haferflocken und Weizenkleie (4,6 mg)
      • Kürbiskerne (12 mg)
      • Sesam (10 mg)
      • Hülsenfrüchte/Sojabohnen (8,6 mg)
      • Leinsamen (8,2 mg)
      • Amarant (8 mg)
      • Quinoa (8 mg)
      • Pistazien (7,5 mg)
      • Eidotter (7 mg)

LABORDIAGNOSTIK

Mediziner und Behandelnde sollten unbedingt die Art des Eisenmangels kennen, denn im Grunde kann ein Eisenmangel auch vorliegen, ohne dass der Hämoglobinwert darunter leidet. Hier spricht man dann von einem „Speichereisenmangel“, bei einem Abfall des Hämoglobins hingegen bereits von einer echten Eisenmangelanämie (Blutarmut). In der Praxis erlebe ich viel häufiger den ersteren Fall: kompensiertes Hämoglobin ohne Zeichen einer Fehlfunktion der Blutbildung bei gleichzeitigen deutlichen klinischen und laborchemischen Zeichen eines Speichereisenmangels.
Äußerst wichtig ist hier die genaue Labordiagnostik mit Erhebung des kleinen Blutbilds, der Hämoglobin-Konzentration und der Bestimmung der sogenannten Erythrozytenparameter (Aussehen, Hb-Gehalt) sowie der wichtigen Eisenstoffwechsel-Parameter: Transferrin- Sättigung, löslicher Transferrin- Rezeptor und Ferritin (der eigentliche Eisenspeicher). Zusätzlich sollte im Zweifel auch ein Inflammationslabor (Leukozyten, CRP) mitlaufen, um eine akute Entzündung auszuschließen, die den Ferritin-Wert gern verfälscht – während einer Infektion mit Covid-19 sehen wir hier beispielsweise Werte um 1 000 ng/ml. Zusätzlich kann auch noch der Wert „Hepcidin“ bestimmt werden, der bei einem funktionellen Eisenmangel eine Rolle spielt, wenn, wie bei chronischen (vor allem entzündlichen) Erkrankungen, eine physiologische Heraufregulation des Hepcidins eine ausreichende Eisenbereitstellung verhindert.

REGELMÄßIGE ÜBERPRÜFUNG

Wichtig: Selbstverständlich möchten wir am Ende stets einen Patienten mit seinen Symptomen behandeln und nicht nur Laborwerte auf dem Papier verbessern. Deshalb gehört für mich die tiefgehende Anamnese und die sorgfältige Erfassung von möglichen Eisenmangel-Symptomen immer vor die Blutabnahme.
Gerade Sportler mit hohen Trainingsumfängen sollten ihren Eisenspeicher regelmäßig überprüfen lassen. Meine Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass Ferritin- Werte, wie sie von vielen Referenzlaboren angegeben werden (diese sind meist Mittelwerte einer weniger sportlichen bzw. gesunden Bevölkerung) mit einer Untergrenze von 20 ng/ml, selten mit einem guten Wohlbefinden einhergehen. Unter einigen ärztlichen Kollegen etabliert sich hier ein Ferritin-Wert von > 100 ng/ml, bei dem sich viele Patienten wohl und leistungsfähig fühlen. Ein Ferritin-Wert von unter 12 ng/ml (Mikrogramm/ L) gilt allgemeingültig als entleerter Eisenspeicher.

BEHANDLUNG

Bei einem festgestellten Mangel sollten, sofern möglich, die Ursachen behoben behoben und entsprechende chronische Erkrankungen behandelt werden. Allerdings kann ein Eisenmangel auch die Ursache für eine chronische Krankheit sein; insbesondere unbehandelte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts führen häufig zu einem Eisenmangel, da es zu Resorptionsstörungen kommt.
Im zweiten Schritt sollte eine Substitution erfolgen und die Nahrungsaufnahme durch gezielte Lebensmittlelauswahl und -kombination optimiert werden. So ist das Eisen aus tierischen Lebensmitteln deutlich besser bioverfügbar, während viele pflanzliche Lebensmittel zwar auch deutliche Mengen an Eisen enthalten – dieses wird aber aufgrund der dreiwertigen Form schlechter aufgenommen. Hier empfiehlt sich die Kombination mit einem Antioxidanz wie Vitamin C, das die Eisenaufnahme verbessert. Wenngleich nicht „kriegsentscheidend“, so ist doch darauf zu achten, Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Eisen-bindenden Stoffen, wie z. B. Antazida (Säureblocker), Phytate, Phosphate, Calcium oder insbesondere Oxalat (vor allem in Kaffee enthalten), möglichst nicht gleichzeitig mit eisenhaltigen Lebensmitteln zu verzehren, da diese Stoffe die Aufnahme des Eisens behindern.

SUBSTITUTION

Für eine Substitution kommt eine breite Palette an oralen und intravenösen Präparaten infrage. In meiner Praxis erziele ich hervorragende Ergebnisse mittels intravenöser Gaben, die, sicher und korrekt angewendet, wenig Risiken bergen und einen raschen Anstieg des Speichereisens möglich machen, der in dieser Form mittels Tabletten nicht zu erzielen ist. So nehmen Patienten oft schon nach den ersten zwei Infusionen eine deutliche Steigerung der Befindlichkeit wahr. Im Anschluss an die Infusionsreihe, deren Dauer und Intensität individuell angepasst wird, lassen sich meist relativ zügig Ferritin-Werte im Idealbereich (zwischen 100 und 200 ng/ml) messen.
Last, but not least bleibt festzustellen: Für den Behandler, der sich dem Problem annimmt, sollte stets der gesamte Mensch mit seiner Gesundheit im Vordergrund stehen und ein Eisendefizit in den Gesamtkontext des Lifestyles gesetzt werden, um eine Über-Optimierung zu verhindern.


EMPFOHLENE MESSWERTE

  • Hämoglobin: Mann 14-18g/dl; Frau 12-16/dl optimal > 15
  • Erythrozyten (MCV): 80-96 Femtooliter
  • MCHC (mittleres korpuskuläres Hämoglobin-Konzentration) 32-36 g/dl
  • Ferritin: je nach Labor 12/30 -400ng/ml; optimal> 100-150; <12 absoluter Mangel (Subsitutionsempfehlung bei Werten unter 70)
  • Transferrin Sättigung: 16-45% (optimal >25%)
  • hsCRP (hochsens. CRP als Ausschlussparameter einer akuten Entzündung)

Autorenbild-moritz-tellmann-trainer-magazinDR. MED. MORITZ TELLMANN

Der Autor ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Intensivmedizin, Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin, Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, Zusatzbezeichnung Gesundheitsförderung und Prävention, i. W. Manuelle Medizin/Chirotherapie, ästhetische Medizin. Außerdem ist er Personal Trainer und Dozent. www.diemuskelbox.de


Fotos: Jane Vershinin – stock.adobe.com, Dr. med. Moritz Tellmann

Dieser Artikel erschien in der TRAINER-Ausgabe #5-2022:

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