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Erholung muss man sich verdienen!

Erholung muss man sich verdienen!

Das Thema „Regeneration“ liegt derzeit schwer im Trend. Dies nutzt die Fitnessindustrie, um ihren Kunden zahlreiche verschiedene – teils absurde – Produkte zur Regeneration zu verkaufen. Aber braucht man wirklich all die Salben und Tapes, Pulver und Kügelchen, Rollen und Matten, um sich erholen zu können? Und wovon muss sich überhaupt erholt werden?

Seien wir ehrlich: Die meisten Kunden verbringen den Tag sitzend – ob auf der Arbeit oder zu Hause –, treiben ein bisschen Sport getreu dem Motto „gehört ja irgendwie dazu“ und leben ansonsten ein relativ bewegungsarmes Leben. Der menschliche Körper ist aber auf Bewegung ausgelegt und kann extremen Belastungen standhalten. Er passt sich den körperlichen Aktivitäten an und adaptiert dementsprechend seine Leistungsfähigkeit. Werden die Körpersysteme richtig beansprucht, funktionieren sie optimal. Angepasst an eine Umgebung von vor Tausenden von Jahren, benötigt unser Körper diese intensive Aktivität – das Aufstehen vom Stuhl, das Laufen zum Drucker oder das Strecken von Armen und Beinen in einer aktiv eingelegten Pause reicht da wohl kaum aus. Der Input, den unser Gehirn aktuell auch dank technologischem Fortschritt bekommt, ist immens und die Diskrepanz zur Bewegung wird immer extremer.

Meine Schlussfolgerung: Wenn überhaupt, muss man sich also heute eher vom Sitzen, der Bildschirmarbeit und dem Bewegungsmangel erholen. Und das bedeutet: sich zu bewegen, körperlich zu belasten, an die Grenzen zu gehen und den Körper herauszufordern, sich selbst zu spüren. Und zwar angepasst an die individuelle Situation, genauso spezifisch und beabsichtigt wie ein Training an sich. Und es bedeutet eben nicht, nebenbei einen Recovery Shake oder eine Pille einzuwerfen (auch wenn es bequemer sein mag), sich alibimäßig einmal auf eine Faszienrolle zu legen oder halbherzig eine Meditations-App beim Einschlafen laufen zu lassen.

Ja, Regeneration ist multimodal und komplex. Und so sollte sie auch verstanden und angewendet werden. Ist der Alltag geprägt von monotoner Schonhaltung und viel Sitzen, sollte die Erholung aus vielseitiger Bewegung und diversen Aktivitäten bestehen – immer mit dem Ziel, die Regeneration beabsichtigt und spezifisch stattfinden zu lassen – und das ist dann so individuell wie der entsprechende Alltag.

Wenn man mich also fragt, wie man sich besser erholen kann, bekommt man folgende Antwort: Erholung muss man sich verdienen!

LUISE WALTHER
Die Berliner Personal Trainerin arbeitet an der Schnittstelle Medizin-Fitness. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Individualisierung und Professionalisierung von Reha- und Trainingsprozessen mit Fokus auf Schmerzreduzierung und Bewegungsoptimierung ihrer Kunden.
www.neurozentriertestraining.de

Foto: Luise Walther


Diesen sowie weitere Artikel findest du in der TRAINER Ausgabe 06|2020

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