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Faszination Triathlon

Faszination Triathlon

Von null zur Jedermann-Distanz

Triathlon wird seit Jahren aufgrund seiner Vielseitigkeit und seines herausfordernden Charakters bei Freizeitsportlern immer beliebter. Melanie Lüdorf und Stavro Petri zeigen, wie du deine Kunden für die Jedermann-Distanz fit machst.

Die aus den drei Ausdauerdisziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen bestehende Sportart wird oft mit dem Ironman auf Hawaii gleichgesetzt. Dort wurde 1978 der Mythos durch einen Wettstreit von 15 Wagemutigen begründet. Sie bewältigten erstmalig die Strecken von 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen hintereinander. Aufgrund des hohen Trainingsaufwands für die Langstrecken sind bei Freizeitsportlern die Sprint- bzw. Jedermann-Distanz und die olympische Distanz ein realistisches Ziel. Bei der Sprintoder Jedermann-Distanz werden Strecken von 500 Meter Schwimmen, 20Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen, bei der olympischen Distanz von 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen absolviert.

ZIELGRUPPE FÜR TRAINER

Durch die beschriebenen kürzeren Triathlon-Wettkampfformate finden immer mehr interessierte Sportler Zugang zu dieser gesunden Sportartenkombination. Eine Analyse der Deutschen Triathlon Union (DTU) zufolge ist der typische Triathlet in Deutschland männlich (70 Prozent), im Schnitt 38 Jahre alt, voll berufstätig (80 Prozent) und gut gebildet (75 Prozent mit Abitur/Studium). Charakterlich gilt er zudem als diszipliniert und leistungsorientiert. Das
Durchschnittseinkommen eines Triathleten ist weit überdurchschnittlich. Und es sind viele Entscheider und Führungskräfte, die diesen Sport ausüben.Triathleten geben sehr viel Geld für ihr Material, Trainingslager, individuelle Trainingspläne und das Training aus. Zudem legen sie meist auch großen Wert auf eine gesunde und bewusste Ernährung. Für (Personal) Trainer sind Triathleten eine sehr interessante Zielgruppe.

GESUNDHEITLICHE BENEFITS

Den größten Nutzen aber hat der Kunde/Triathlet. Durch ein zu Beginn moderates Training in allen Teildisziplinen trainiert er sein Herz-Kreislauf- System, kräftigt seinen Muskel- Band-Apparat und verliert – bei einer angepassten Ernährung – (viszerales) Fett. Triathleten entwickeln, wenn sie im Training vernünftig begleitet werden, ein sehr gutes Körpergefühl und sind überdurchschnittlich gesund.
Wenn ein Kunde im Eingangsgespräch darlegt, dass er gern schwimmt, läuft oder Rad fährt, sollte der Trainer hier einzuhaken und ein eventuelles spezifisches Triathlontraining anbieten. Zumeist erntet man dabei leuchtende Augen, aber auch Aussagen wie: „Das schaffe ich nie!“ Der Trainer sollte dann aufzeigen, dass es nicht um die Bewältigung einer Langdistanz, sondern um den Einstieg zur Bewältigung der Jedermann- Distanz geht. Wenn dann noch auf die kurzen Strecken der Teildisziplinen hingewiesen wird, erscheint dem Kunden das Ziel nicht mehr so fern. Wichtig ist es, dass das dann formulierte Ziel realistisch ist. Zudem sollten Zwischenziele wie beispielsweise kürzere Volksläufe eingebaut werden. Hilfreich ist zudem, Kollegen, Familie oder Freunde des Kunden mit einzuspannen, da eine Unterstützung aus dem sozialen Umfeld und gemeinsame Trainingseinheiten die Motivation erhöhen.

GEZIELTE VORBEREITUNG

Steht ein Jedermann-Triathlon als Ziel fest, ist es die Aufgabe des Trainers, den Kunden so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Hierzu bietet sich nach einer umfangreichen Anamnese eine Leistungsdiagnostik in Form einer Laktatmessung oder Atemgasanalyse auf dem Rad und/ oder Laufband an. Eine Planerstellung mithilfe eines Online-Portals, wie z. B. „todaysplan“, bietet dem Kunden eine komfortable und dem Trainer eine gute Lösung zur gemeinsamen zielgerichteten Arbeit. Sinnvoll sind gerade zu Beginn Einzelstunden in allen drei Teildisziplinen. Hierbei sollte es dann primär um das Training von Technik und Bewegungsökonomie, das Radhandling usw. gehen. Zusätzlich sollten Trainingseinheiten für Athletik und Kraft eingeplant werden. Wurden bei der Anamnese z. B. koordinative Schwächen oder Dysbalancen festgestellt, empfiehlt sich auch ein entsprechendes neurozentriertes Training.
Die Vorbereitung auf einen Jedermann- Triathlon bildet eine fruchtbare Grundlage für eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Kunden. Durch das kontinuierliche Training erfährt der Kunde relativ schnell gesundheitliche Benefits wie eine bessere Kraft- und Ausdauerleistung sowie eine Reduzierung des Körperfetts. Diese Erfolge und das schnelle Erreichen von sportlichen Zielen, wie das Bewältigen längerer Distanzen und das Erzielen besserer Zeiten, pusht zudem das Selbstbewusstsein und die Motivation der Kunden enorm, was viele dazu beflügelt, das Training fortzuführen bzw. es in Richtung einer längeren Distanz auszubauen. Der Trainer profitiert von einer langfristigen Kundenbindung und einem interessanten Aufgabenfeld; darüber hinaus erfährt er über das Erreichen der gesetzten Ziele eine berufliche Bestätigung.

KUNDENBEISPIEL

Ein Kunde mit 186 kg Körpergewicht wandte sich mit dem Ziel, abnehmen zu wollen, an uns. Mit medizinischer Begleitung wurde das Ziel angegangen. Als nach einiger Zeit 80 kg Gewichtsverlust zu verzeichnen waren, formulierten wir gemeinsam die Teilnahme an einem Jedermann-Triathlon als Ziel. Zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls über 30 kg abgenommen hatte, wurde das Ziel erreicht. Es folgten weitere Triathlonwettkämpfe – auch über die olympische Distanz. Die Frau entdeckte bei der Vorbereitung zum Triathlon ihre Leidenschaft fürs Laufen und absolvierte anschließend diverse Marathons auf der ganzen Welt. Die beiden sind heute noch Kunden und buchen ihre Trainingsplanung, Personal-Training- Einheiten und Ernährungsberatung bei uns. Bei der Arbeit mit solchen Kunden ist ein gutes Netzwerk von Ärzten, Physiotherapeuten usw. seitens des Trainers absolut hilfreich und daher jedem Trainer anzuraten.
Bei einer so langfristigen Vorbereitungszeit ist es normal, dass der Kunde nicht immer gleich hoch motiviert ist. Zwischendurch kommen immer wieder Selbstzweifel auf; Pläne und Ziele werden infrage gestellt. Evtl. verletzt sich der Kunde auch einmal. Dann ist der Trainer gefragt: Er muss in der Lage sein, Motivationstiefs und Krisen frühzeitig zu erkennen bzw. diese aus den Gesprächen herauszuhören. Es geht nicht darum, stur einen Trainingsplan durchzuziehen, sondern vielmehr darum, als Trainer für den Kunden da zu sein, wenn es für ihn schwierig wird, entsprechende Anpassungen vorzunehmen und ihn weiterhin zu motivieren. Dabei können Visualisierungstechniken helfen, z. B. kann man einen erfolgreichen, vom Publikum bejubelten Zieleinlauf beim Wettkampf visualisieren.

ERHÖHUNG DER AEROBEN KAPAZITÄT

Die Grundlage des Triathlontrainings für jede Distanz ist die Erhöhung der aeroben Kapazität. Erst wenn bei einem Anfänger die Grundlage dafür gelegt wurde, kann man Trainingseinheiten für die Energiebereitstellungsparameter wie VO2max (die maximale Sauerstoffaufnahme der Muskeln bei maximaler Leistung) und VLamax (die maximale Laktatbildungsrate) integrieren. Der Athlet sollte zu Beginn des Trainings ca. 80 Prozent seiner Einheiten in den Grundlagen-/ Fettstoffwechselbereichen absolvieren. Hierüber lernt der Körper, Fette als Energieträger heranzuziehen und nicht auf die begrenzten Kohlenhydratspeicher zuzugreifen.
Die meisten Athleten beherrschen bereits eine oder zwei Disziplinen einigermaßen Es liegt dann am Trainer, den Plan so zu gestalten, dass die Grundlageneinheiten konsequent im richtigen Herzfrequenzbereich und primär die schwächste Disziplin trainiert wird. Hier bedarf es einer ständigen Kontrolle und Motivation seitens des Trainers. Falls nötig, sollten diese Punkte dem Kunden genau erläutert werden, um eine Vertrauensbasis zu schaffen.

KRAFTTRAINING

Das Krafttraining sollte erst mal im Hypertrophie-Bereich stattfinden. Nach einer – für unerfahrene Athleten längeren – Anpassungsphase sollte man zunächst im Personal Training unter Aufsicht das für Triathleten wichtige Schnellkraft- und Maximalkrafttraining beginnen. Kraftausdauer hat, anders als man im Triathlonbereich vermuten könnte, an Bedeutung verloren.
Aufgrund der unterschiedlichen Teildisziplinen hat der Trainer ideale Voraussetzungen und Entfaltungsmöglichkeiten, seinen Kunden gemäß seinen individuellen Voraussetzungen und Zielen abwechslungsreich zu trainieren. Das Wichtigste dabei ist, dass der Kunde Spaß hat, einen Sinn in seinem Training erkennt, immer wieder gelobt und das Erreichen der Zwischenziele gefeiert wird. So steht einem für den Athleten als auch für den Trainer tollen Zieleinlauf nichts mehr im Wege.


MELANIE LÜDORF
Die zertifizierte Personal Trainerin ist 8-fache Ironman- Finisherin, in Besitz der A-Lizenz der DTU für Langdistanz/Leistungssport und Geschäftsführerin von YEAH!Sport.
www.yeahsport.de


STAVRO PETRI
Der zertifizierte Personal Trainer und 13-fache Ironman-Finisher ist als Vereinstrainer für Triathlonund Marathon-Leistungssport tätig und Geschäftsführer von YEAH!Sport
www.yeahsport.de


Fotos: Christian Siedler/YEAH!Sport, Composing Aufmacherbild: Ingo Geiger, Christian Siedler

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