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Pilates modern interpretiert

Pilates modern interpretiert

Christiane Reiter verrät im Interview, wie die klassische Pilateslehre mit modernen Trainingsansätzen, z.B. aus der Faszienforschung, der funktionellen Anatomie und aus dem Neurotraining, kombiniert werden kann.


Inwiefern lässt sich klassisches Pilates mit modernen Trainingsansätzen kombinieren?

Wer sich intensiv mit Joseph H. Pilates beschäftigt, wird feststellen, dass er seine Lehre im Laufe seines Lebens immer wieder den aktuellen Bedürfnissen der Menschen angepasst hat. Er modifizierte und veränderte seine Übungen fortlaufend, um für seine Teilnehmer den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Nichts anderes machen wir heutzutage auch: Wir kombinieren die Lehren von damals mit dem modernen trainingswissenschaftlichen Know-how aus der Faszienforschung, der funktionellen Anatomie und dem Neurotraining. Letztendlich geht es beim Pilates, wie bei jedem anderen Training auch, darum, einzelne komplexe Bewegungsabläufe zu einer Gesamtheit zusammenzuführen. Das Fundament stellen die 34 Mattenübungen, die dann jeder Trainer individuell modifizieren kann.

Wie kann man als Trainer sein Pilates-Repertoire erweitern?

Mittlerweile gibt es viele unterschiedliche Aufbau-Module für Pilates-Trainer. Ein wichtiger Bereich ist z.B. Faszienpilates oder die Einbeziehung der Funktionellen Anatomie. Mit diesem Fachwissen über die Strukturen des menschlichen Bewegungsapparates sind Trainer in der Lage, ihre Pilates-Kurse noch effektiver und zielführender zu gestalten und ihre Teilnehmer noch individueller zu unterrichten, weil sie gezielt auf ihre unterschiedlichen Bewegungseinschränkungen eingehen können. Wer Teilnehmer mit unterschiedlichen Beschwerden, z. B. Krankheitsbilder des Bewegungsapparates, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas etc., richtig betreuen möchte, sollte sich zusätzlich im Bereich „Medical Pilates“ spezialisieren. Außerdem sorgt natürlich der Einsatz von Kleingeräten wie z.B. der Magic Circle, Foam Roller, Bälle, Thera Bänder oder Suspension-Trainer für mehr Kreativität beim Pilates-Training. Aber Vorsicht: Diese Erweiterungen erfordern einen soliden Erfahrungsschatz und eine gute Pilates-Praxis. Jedem Neueinsteiger würde ich raten, erstmal sechs bis zwölf Monate die klassische Methode zu unterrichten, bevor er sein Repertoire um neue Schwerpunkte erweitert.

Inwiefern profitiert man als Pilates-Trainer davon?

Als Pilates-Trainer ist es wichtig, sich intensiv mit seinen Teilnehmern und ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Durch ein größtmögliches Übungsrepertoire und trainingswissenschaftliches Know-how bekommt man als Trainer einen ganz anderen Blick für die Teilnehmer und kann sie besser einschätzen. Trainer, die verstehen, wie das Gehirn Informationen bei der Bewegungssteuerung verarbeitet und wie sich das auf die Bewegungsausführung und -präzision auswirkt, können ihren Unterricht viel zielführender gestalten. Damit erzielen sie einen viel höheren Lern- und Trainingseffekt bei ihren Teilnehmern.

Neben der fachlichen Qualifikation ist es für Pilates-Trainer besonders wichtig, sich methodisch und didaktisch weiterzubilden. Warum?

Wenn ich in einer heterogenen Gruppe die unterschiedlichen Leistungslevel der Teilnehmer auffangen und bedienen möchte, dann benötige ich als Trainer eine kluge Didaktik und Methodik. Ich kann die besten Übungen anleiten – wenn ich dabei nicht in der Lage bin, sie über eine gute Methodik zu vermitteln, dann ist das nicht zielführend. Gerade beim Pilates ist es wichtig, komplexe Übungen richtig aufzubauen und zu erarbeiten, sonst ist das Verletzungsrisiko zu groß. Bodyreading, also das Verständnis der guten Körperhaltung, ist Voraussetzung, um erkennen zu können, ob die Haltung abweicht und welche Konsequenzen dies auf die Ausführung der Pilatesübungen hat. Schneller, als wir es selbst bewusst wahrnehmen, werden Kompensationsmuster aktiviert, die möglicherweise auf längere Sicht die Gelenke und das strukturelle System überfordern und verschleißen. Joseph Pilates legte viel Wert auf das bewusste Erfassen aller Details einer Bewegung, deshalb ist es für Trainer wichtig zu wissen, ob und wann das taktile Korrigieren Sinn macht und wann es sinnvoller ist durch präzises kinästhetisches Verbalisieren, die innere Bewegungsempfindung der Teilnehmer zu fördern. Bei der Wissensvermittlung ist es natürlich auch wichtig zu wissen und zu verstehen, wie der Mensch lernt. Welche Signale an das Gehirn sind nötig, wie entstehen Gedächtnisschleifen und wie müssen diese zusammenkommen, damit sich Bewegungsmuster im Langzeitgedächtnis verankern. Deshalb ist das Thema Trainingslehre und -wissenschaft auch ein wichtiger Bestandteil guter Pilates-Ausbildungen.

Häufig werden Pilates-Kurse auch von der Krankenkasse bezuschusst. Wie kann ich als Trainer die Krankenkassen-Anerkennung beantragen?

Als Trainer gibt es hier einige wichtige Punkte zu beachten. Als erste Voraussetzung muss ich als Pilates-Trainer eine Ausbildung mit mindestens 80 Unterrichtseinheiten absolvieren. Wenn es eine kürze Ausbildung ist, hat man gar keine Chance und die eingereichten Unterlagen werden sofort zurückgeschickt. Außerdem spielt die Basisqualifikation eine Rolle. Physiotherapeuten, Sportlehrer und Sportwissenschaftler bekommen ihre Zertifizierung in der Regel sehr schnell. Die Unterlagen müssen bei der zentralen Prüfungsstelle eingereicht werden. Sobald diese Zulassung erfolgt ist, können die Teilnehmer die Kosten für den Pilates-Kurs bei der Krankenkasse einreichen und werden finanziell unterstützt. Insbesondere für selbstständige Pilates-Trainer ist das ein großer Vorteil, weil man sich unter Umständen viel schneller einen Kundenstamm aufbauen kann.


Das neue IFAA-Ausbildungskonzept

Ab sofort ist die modulare Ausbildung vom Pilates-Trainer (Basic/Advanced) bis zum Pilates-Lehrer (Master) noch tiefgehender. Die Ausbildung kombiniert die klassische Pilates-Lehre mit modernen Trainingsansätzen z.B. aus der Faszienforschung, der funktionellen Anatomie und aus dem Neurotraining. Bekannte Pilates-Experten, u.a. Konzeptgeberin Christiane Reiter, vermitteln den Teilnehmern das gesamte Repertoire der Pilates-Mattenübungen und deren gruppentaugliche Umsetzung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem methodisch/didaktischen Teil, mit konkreten Strukturen und Methoden, die die Vorbereitung der Stunden erleichtern und erfolgreiche Pilates-Kurse garantieren.

www.ifaa.de/pilates 

 

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