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Schuster bleib bei deinen Leisten!

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Die Grenze zwischen Coaching und Psychotherapie

Wir bewegen uns im Personal Training vorwiegend auf der körperlichen Ebene, um die Kunden bei ihren gewünschten Veränderungsprozessen zu unterstützen. Neben der körperlichen Ebene spielt aber auch die Psyche (auf bewusster und unbewusster Ebene) unserer Klienten eine übergeordnete Rolle, wenn es um das Thema Körperhaltung, Schlafrhythmus, Entzündungsregulation, Leistungsfähigkeit und Muskelaufbau geht. Aber was können wir tun, um die von der Kundschaft gewünschten Veränderung zu erreichen, wenn empfohlene Copingstrategien und jegliche Trainings- und Motivationsansätze scheitern?

Viele Menschen sind durch Stress bei der Arbeit und im Familien-/Privatleben ausgebrannt und erschöpft. Ihre persönliche Grenze ist erreicht, und sie hoffen auf Hilfe des Personal Trainers. Das folgende Fallbeispiel beschreibt ein Kundenprofil, welches auftretende Schwierigkeiten im Gesundheitscoaching vermuten lässt und uns Trainern unsere Grenzen aufzeigt:

Bei dem Kunden sind eine Stressatmung, verspannte Muskeln und eine eingeschränkten Leistungsfähigkeit feststellbar. Das Blutbild zeigt erhöhte Entzündungsparameter und das Hormonprofil deutet auf einen gestörten Hormonzyklus hin. Ein weiterer relevanter Stressparameter, die Herzratenvariabilität, spricht für eine Funktionsstörung des vegetativen Nervensystems.

Diese Ausgangssituation lässt die folgenden Fragen aufkommen:

  • Woher rühren diese gesundheitlichen Einschränkungen?
  • Welche Interventionen sind notwendig, um den Kunden an sein Ziel zu führen?
  • Wann ist als Coach meine Kompetenz überschritten und ich sollte den Klienten an einen Experten verweisen?
  • Sollte ich den Klienten begleitend weiter betreuen, während er eine Psychotherapie macht?

Der Körper spiegelt in vielen Fällen das Innere eines Menschen wider. Daher sollten wir neben all den Leistungsparametern der sportwissenschaftlichen Diagnostik auch den Menschen an sich sehen und verstehen. Leider sind viele Trainer abgelenkt von Messdaten, Werten und Zahlen, die vermutlich nicht annährend das zum Ausdruck bringen können, was wirklich in unserem Gegenüber vorgeht. Langjährige psychische Probleme prägen unsere Kunden und spiegeln sich auf ihrer körperlichen Ebene wider. Daher sind gezielter Trainingsinterventionen oft zum Scheitern verurteilt: Anstatt Kraft zu tanken und neu aufzublühen, fühlt sich der Klient nach wie vor chronisch erschöpft und frustriert, weil er keine positive Veränderung sieht.

Neben sozialen und trainingswissenschaftlichen -Kompetenzen, zeichnet einen guten Coach die Fähigkeit, zuhören zu können, aus. Ein aktives Zuhören ermöglicht es Trainern, zwischen den Zeilen zu lesen und die Situation besser einschätzen zu können. Die Basis der Zusammenarbeit mit Klienten ist das Vertrauen. Zudem sollten Trainer eine gute Beobachtungsgabe sowie die Bereitschaft zu einer offenen Kommunikation mitbringen. Ziel ist, den Kunden zum Nachdenken zu veranlassen.

Um zu entscheiden, ob ein Kunde die Hilfe eines Psychotherapeuten benötigt, solltest du ihm folgende Fragen stellen:

  • Schränken dich die Probleme im alltäglichen Leben ein?
  • Leiden deine Beziehungen?
  • Hast du keinen Spaß mehr an deinen Aktivitäten/deinem Training?
  • Macht dein Umfeld sich Sorgen?
  • Hast du ein traumatisierendes Ereignis erlebt?
  • Finden die Ärzte keine Ursachen für dein körperlichen Beschwerden?
  • Ist der Versuch, das Problem in den Griff zu bekommen bisher gescheitert?
  • Greifst du vermehrt zu Alkohol, Drogen oder Medikamenten, um das Problem zu vergessen/bewältigen?
  • Bist du emotionaler als sonst?

Sollten mehr als drei Fragen mit „ja“ beantwortet werden, ist es ein klares Signal dafür, dass du den Kunden umgehend dazu ermutigen solltest, einen Psychotherapeuten aufzusuchen.

Ein Netzwerk aus diversen Gesundheitsexperten und der direkte Austausch untereinander, sollte das Ziel sein. Als Gesundheitscoach haben wir die Möglichkeit, auf Ärzte und Therapeuten zuzugehen und ihnen eine Kooperation anzubieten, um Menschen interdisziplinär und ganzheitlich zu unterstützen.

Unser Körper gibt uns nicht nur die Möglichkeit, uns fortzubewegen, sondern lässt er uns auch Emotionen und Gefühle wahrnehmen. Als Trainer und Körperexperten können wir daher mit Kunden, die in Therapie sind, ergänzend arbeiten. Ziele dabei sind, das Immunsystem, die Interozeption (Innenwahrnehmung) als auch das Selbstwertgefühl zu stärken. Ein weiterer positiver Nebeneffekt des körperlichen Trainings ist die Freisetzunge von Neurotransmittern und Botenstoffen, die die Stimmung positiv beeinflussen und das vegetative Nervensystem regulieren.

René Kagels (Sportwissenschaftler/IFAA-Referent/Autor)

 

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