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Cordyceps

Cordyceps

WIE WIRKT DER POWERPILZ AUS DER NATUR?

Vitalpilze werden seit Jahrhunderten u. a. in der traditionellen chinesischen Medizin für unterschiedliche gesundheitliche Ziele eingesetzt. Christian Jung und Maximilian Endter stellen den bei Sportlern beliebten Cordyceps und seine Wirkungen näher vor.

In den 1960er-Jahren analysierte Robert Gordon Wasson, welche kulturelle Bedeutung Pilzen zukommt. Während in indigenen Völkern Pilze verehrt und rituell eingesetzt werden, scheint in der westlichen Welt eine Abneigung Pilzen gegenüber zu herrschen. Denn teilweise werden heute Pilze mit Rauschmittel, Gift oder Schimmel assoziiert. Wasson unterteilte seine untersuchten Völker in Pilz-liebende und Pilz-hassende. Während in der TCM unglaublich positive Ergebnisse mit Vitalpilzen erzielt werden und seit Tausenden von Jahren überall auf der Welt Heilrituale mit Pilzen vollzogen werden, beschränkt sich der Gebrauch in der westlichen Hemisphäre größtenteils auf Speisepilze.
Dabei gibt es selbst in unseren Breitengraden sehr potente Arten von Vital- und Heilpilzen. Wir sehen darin ein großes Potenzial, da die erzielbaren Wirkungen anscheinend genau da ansetzen, wo Probleme in der heutigen Gesellschaft vorliegen. Es scheint so, als ob die Lösungen für Probleme wie z. B. Burnout, Stressanfälligkeit, schwaches Immunsystem, schlechte Schlafqualität, Bluthochdruck oder fehlende Energie, die auf einem unausgeglichenen System basieren, in unserem direkten Umfeld zu finden sind. Laut Mykologe Paul Stamets wächst der Pilz in unseren Wäldern, um uns zu helfen.

GANZHEITLICHER ANSATZ

Vitalpilze werden oft als Pulver oder Kapsel verabreicht. Wir sehen aber weitaus mehr in Vitalpilzen als eine weitere Wunderpille, die schlichtweg Symptome lindert. Vielmehr ist es ein in sich kompletter ganzheitlicher Ansatz, da sich die Wirkung auf das gesamte körperliche System erstreckt. Die modulatorische Wirkung im Immunsystem, die Stresslinderung und unzählige weitere Wirkungen können das Gesamtsystem zurück in die Balance führen – in die Homöostase, also den Zustand optimaler Gesundheit. Im Vergleich zu unserer heutigen Medizin ist das ein wahres Wunder: Medikamente können bestimmte Parameter entweder erhöhen oder vermindern. Es scheint, als könnte man mit Vitalpilzen die große Intelligenz des Pilzes mit der unseres Körpers vereinen, um wirklich gesund zu werden und nicht nur Symptome zu unterdrücken.

VITALPILZ FÜR SPORTLER

Spätestens seit den Chinesischen Nationalspielen 1992 ist ein ganz besonderer Vitalpilz unter den Sportlern bekannt geworden. Die chinesischen Leichtathleten um Trainer Ma Junren gaben an, zuvor über einen längeren Zeitraum Cordyceps eingenommen zu haben. Drei Läuferinnen von ihnen brachen fünf Weltrekorde.1 Als natürliches leistungssteigerndes Mittel ist Cordyceps im Profisport bei Menschen nicht verboten – im Pferdesport jedoch fällt es unter das Doping-Gesetz.
Er ist einer der angesehensten Heilpilze der traditionellen ostasiatischen Medizin. Bereits im 15. Jahrhundert wurde er zum ersten Mal in Tibet beschrieben und gilt seither in Asien als hochgeschätztes und bemerkenswertes Mittel mit vorteilhaften biologisch aktiven Verbindungen. Cordyceps wird seit Jahrhunderten als belebendes und erweckendes Mittel eingesetzt. In Asien findet er Anwendung gegen Schwäche, Erschöpfung und dauerhafte Müdigkeit. In Europa werden die Wirkungsweisen offiziell nicht von der EU-Verordnung (Health Claims) anerkannt. Zahlreiche Heilpraktiker und Mykotherapeuten kennen jedoch die besondere Wirkung als Tonikum aus der TCM.

RAUPENPILZ CORDYCEPS

Es gibt zwei Arten: den Cordyceps militaris und den Cordyceps sinensis, den klassischen Raupenpilz. Dieser Pilz ist vor allem im Hochland von Tibet auf Höhen von 3 000 bis 5 000 Metern zu finden. Dort wächst er als Parasit, der Raupen befällt und auf ihnen seine Fruchtkörper ausbildet. Das hört sich im ersten Moment nicht besonders appetitlich an. Er entzieht ihnen ihre gesamte Energie und durchwuchert sie, sodass daraus ein Pilz wird. Daher kommt übrigens auch der Name Raupenpilz. Die entstandenen Heilpilze erzielen aufgrund ihrer bemerkenswerten therapeutischen Eigenschaften und aufgrund ihres begrenzten Angebots aus den abgelegenen Lebensräumen Preise bis zu 50 000 Euro pro Kilogramm. Das zeigt, wie hoch der Cordyceps und seine Eigenschaften geschätzt werden. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler jedoch Techniken entwickelt, um Cordyceps mit einer Potenz zu kultivieren, die mit der der Wildsorte vergleichbar ist. So wird der Pilz erschwinglicher und verfügbarer. Um das Thema noch einmal aufzugreifen: Cordyceps sinensis kann heute ohne Raupen kultiviert werden bei gleichen Wirk- und Nährstoffgehalten, somit ist er auch für Veganer geeignet, die Entstehung ist appetitlicher und die Wirkung identisch.

EINFLUSS AUF DIE SPORTLICHE LEISTUNG

In den letzten Jahrzehnten zeigten wissenschaftliche und klinische Studien die medizinischen Eigenschaften von Cordyceps. Pharmakologische aktive Verbindungen im Pilz wurden identifiziert. Besonders interessant und relevant sind die Verbindungen Cordycepin, verschiedene Polysaccharide, Lovastatin, Melanin, Ergosterol und andere.Gerne geben wir hier einen Überblick über verschiedenste Wirkungen, die durch Studien belegt sind. Betrachtet man diese Studien, kommt schnell der Gedanke auf: Wie kann der Pilz in so vielen verschiedenen Bereichen wirken? In der westlichen Medizin messen wir immer nur einen Parameter. In der TCM – da, wo der Pilz herkommt – betrachtet man den menschlichen Organismus als großes Ganzes.
In den alten asiatischen Traditionen wird Cordyceps als Tonikum angewendet, also als (die Energie) stärkendes Mittel. Es wirkt vor allem auf das Energiesystem im unteren Bereich des Körpers zwischen Beckenboden und Magen. Dort sitzt im Taoismus das „Dantien“ bzw. das Energiezentrum des Menschen. Und genau dieses regt Cordyceps im übertragenen Sinne an. Behält man diese Betrachtungsweise im Hinterkopf, erklärt sich das breite Spektrum an Studienergebnissen.
Die Forschungen zeigen, dass Cordyceps die Produktion des körpereigenen Moleküls ATP (Adenosintriphosphat) u. a. in der Leber erhöht.3, 4 Cordyceps enthält einen hohen Anteil an Adenosin – ein Nukleosid, das eine wichtige Komponente von ATP ist. ATP ist für die Energiebereitstellung im Muskel verantwortlich und somit Treibstoff unserer Muskeln. Cordyceps soll die ATP-Produktion um etwa 18 Prozent steigern – laut einer Studie der Hong Kong University of Science and Technology5.
Die Einnahme von Cordyceps kann auch die Sauerstoffaufnahme und die Trainingsleistung verbessern. Mehrere Studien führten zu dem Ergebnis, dass die aerobe Kapazität (VO2 max) durchschnittlich um etwa 10 Prozent gesteigert werden konnte. 6, 7 Größere Trainingserfolge und eine schnellere Regeneration können die Folge sein. Gerade im asiatischen Kulturraum verwenden Sportler den Pilz seit Langem zur Energieund Ausdauersteigerung.
Dem Powerpilz Cordyceps werden außerdem positive Einflüsse auf die Funktionen Atmung, Herz-Kreislauf und Blutfluss zugeschrieben. Darüber hinaus hat Cordyceps auch positive Wirkungen auf die Gehirnfunktionen, auf die psychische Gesundheit und die Verringerung von Depressionen gezeigt.8 Außerdem erhöht es die Libido bei Frauen und die sexuellen Funktionen bei Männern.
Aufgrund seiner starken tonisierenden und belebenden Wirkung wird Cordyceps häufig von beruflichen Leistungsträgern, Profisportlern, Studierenden und auch älteren Menschen eingenommen, um ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern und die Regeneration nach einer Anstrengung zu beschleunigen.
Aus über tausend Jahren TCM und zahlreichen Studien sind bisher keine potenziellen Nebenwirkungen bekannt. Selbst die heutige chinesische Regierung hat Cordyceps zur Verwendung in Krankenhäusern freigegeben und als sicheres natürliches Medikament anerkannt.

FAZIT

Cordyceps hat nicht umsonst in der ostasiatischen Medizin eine lange Tradition. Wissenschaftliche Studien zur konkreten Wirkungsweise von Cordyceps gibt es bisher nur in einer überschaubaren Anzahl. Doch die Ergebnisse gerade in Bezug auf Sport und Training sind vielversprechend: Tatsächlich scheint der Vitalpilz für eine bessere Sauerstoffverwertung, eine bessere Regeneration und für mehr Power zu sorgen. Cordyceps ist sicher keine Wunderpille. Wenn du gerne neue Dinge ausprobierst und deine Trainingsergebnisse misst, kannst du Cordyceps durchaus über einen längeren Zeitraum testen. Immerhin verbesserten sich die Leistungsparameter der Probanden in den Studien deutlich.


CHRISTIAN JUNG UND MAXIMILIAN ENDTER
Die Autoren haben eine Ausbildung zum Mykotherapeuten absolviert und sind die Gründer des deutschen Start-Ups „smaints“. Seit 2017 beschäftigen sie sich intensiv mit Methoden zu Biohacking, insbesondere mit Vitalpilzen.
www.smaints.de


Foto: Philipp Rauscher

 

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