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Energieraub in der Klientenschaft

Energieraub in der Klientenschaft

Externen Stressoren vorbeugen

Bei jeder Interaktion mit einem Klienten fließt Energie, dabei raubt der Klient oftmals dem Trainer seine Energie. Das geschieht wissentlich oder unwissentlich. Die Sporttherapeuten Oliver Schäfer und Tom Schuster erklären, warum das Thema Energieraub so wichtig ist, wie du dich als Trainer davor schützen kannst und wie dein Energieniveau gesteigert werden kann.

Timo, 27 Jahre alt, ist passionierter Trainer in einem Fitnessstudio in Stuttgart. Er liebt seine Trainertätigkeit, andere Menschen beim Training zu unterstützen ist seine Leidenschaft. Er möchte seine Kunden zu einem gesünderen Lebensstil motivieren und inspirieren. Dieser Idealismus von Timo wird von seinen Kunden wahrgenommen, denn Sie suchen oft seine Nähe. Timo ist ein hilfsbereiter Mensch, er gibt gerne und viel. Seine Kunden wissen dies zu schätzen. Sein Lebensmotto ist: „Wer gibt gewinnt!“ Durch sein Engagement und sein freundliches Wesen hat Er sich über die Jahre einen guten Ruf und eine Stammkundschaft in dem Fitnessstudio, in dem Er arbeitet, aufgebaut.  Doch in letzter Zeit merkt der junge Fitnesstrainer immer wieder, dass er abends oft müde und ausgelaugt nach Hause kommt. Er vermutet, dass dies vielleicht nur eine Phase sei, welche schon bald wieder vorüber sein wird.

Kennst Du dieses Gefühl, am Abend nach Deinen Kursen, sei es als Personaltrainer im 1:1-Setting oder als Groupfitnesstrainer, wenn Du müde und erschöpft auf dem Sofa sitzt und Dir selbst sagst: „Atmen, ich muss atmen.“ Timo steht in diesem Artikel als exemplarisches Beispiel, doch spiegelt er die Realität Eins zu eins wider. So wie Timo geht es vielen Trainer(innen). Ähnlich wie Timo ging es den beiden Autoren Oliver Schäfer und Thomas Schuster. Beide sind seit vielen Jahren Trainer und Ausbilder in verschiedenen Fitnessstudios, sowohl im Bereich Kursleitung als auch auf der Trainingsfläche. Im Austausch mit weiteren Kollegen stellte sich heraus, dass es Ihnen genauso ging, doch selten spricht man darüber oder ist sich dessen auch gar nicht bewusst.

Kein spirituelles Hirngespinst

Die Thematik „Energieraub“ bzw. „Energievampire“ wird in der Gesellschaft teilweise als spirituelles Hirngespinst abgetan, ähnlich wie das schlechte Schlafen bei Vollmond. Von Energieraub betroffene Menschen schieben ihr eigenes Energiedefizit häufig auf das Wetter, schlechte Laune, Hunger oder nicht genügend Schlaf. So ist auch leicht erklärbar, dass entsprechende Literatur kaum verfügbar ist und beim Recherchieren in Büchern oder im Internet häufig Energieräuber im Zusammenhang mit Zeitmanagement in Verbindung gebracht werden. Wenn Du bei Google das Wort „Energieraub“ eingibst, erscheinen Stand heute 6.840 Ergebnisse.

„Bei allem was wir tun geht es letztendlich um den Erhalt oder um die Steigerung des Energieniveaus.“

Energieraub nach unserer Auffassung

Wahrscheinlich kennt jeder das Phänomen, dass uns gewisse zwischenmenschliche Beziehungen bereichern und uns Kraft geben, also gewissermaßen Energie spenden. Anderseits haben wir manchmal mit Menschen zu tun, mit denen eine Begegnung anstrengend ist, was uns eher Kraft zu rauben scheint. Je länger wir mit diesen Menschen in Interaktion treten, desto ausgelaugter und enttäuschter fühlen wir uns. Jede Interaktion zwischen Menschen stellt stets einen Austausch von Energie dar. Im Optimalfall wird diese Energie dann potenziert und beide Akteure gehen positiv und energiegeladen aus dieser Interaktion hervor.

Energieraub im klassischen Sinn ist das Zurücklassen einer Person, welche aufgrund der zuvor stattgefunden Interaktion (hat diese nun auf körperlicher oder verbaler Ebene stattgefunden) energieärmer zurückbleibt, wie zuvor. Dies kann sich auch niederschwelliger abspielen und dir eine leichte Müdigkeit, leichte Kopfschmerzen, Zerstreuung oder innere Unruhe bzw. Unlust bescheren.

Welche Personen entziehen dir Energie?

Energieraub geschieht immer aus einem Mangel heraus. Ein Klient mit Mangel im ureigenen Energieniveau dürstet nach Energie, welche er von Trainer(innen) erhält. Hierbei ist es diesem Klienten völlig egal, ob dieser „Energiespender“ über ausreichend Energie verfügt. Er bedient sich dem Trainer, ähnlich wie bei einer Ladestation.

„Bei jeder Interaktion fließt Energie.“

Ein Energieraub kann sowohl verbal als auch nonverbal erfolgen, dies bedeutet, dass nicht nur eine Berührung oder ein Gespräch zu einem Energiedefizit führen kann, sondern auch ein flüchtiger Blickkontakt. Nach unserer Auffassung gibt es beim Erkennen eines Energieraubes nur zwei Zeitpunkte, zu denen dies erkannt werden kann. Zum einen während des Zeitpunktes des Energieraubes oder (unmittelbar) danach. Wir bezeichnen dies als Identifizierungsphase. Wenn Du eine energieraubende Person erkannt bzw. entlarvt hast, wird es Dir deutlich leichter fallen diesbezügliche Schutzmechanismen zu aktivieren.

Wie schütze ich mich?

Die sogenannte Schutzphase beschreibt den Zeitraum vor dem (unmittelbaren) Kontakt mit dem Klienten und hilft den Trainer(innen) energiegeladener auf eine energieraubende Situation vorbereitet zu sein, ohne stets mit einem Energieräuber zur rechnen. In dieser Phase geht es auch darum, die eigene „Schutzausrüstung“ zu stärken. Dadurch können energetische Angriffe abgeblockt oder zumindest abgemildert werden. In der Schutzphase haben sich nachfolgend exemplarisch genannte und hilfreiche Strategien bewährt, wie beispielsweise ein erholsamer Schlaf, Bewegung vor der Arbeit, eine mentale Vorbereitung und ein „Plan B“. Hierbei könnte selbst eine Kette, ein Lieblingskleidungsstück oder weitere Accessoires verwendet werden, welche dem Träger eine zusätzliche mentale Stärke schenken.

Umgang mit dem eigenen Energiehaushalt

Wie zuvor genannt, ist ein erholsamer Schlaf eine Möglichkeit, um die eigenen Ressourcen aufzuladen. Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Pausen, eine sinngebende Aufgabe, Hobbys sowie ein positives Netzwerk (Partner, Familie, Freunde, auch gerne Kollegen etc.) schenken Dir zusätzlich Kraft und Energie. Das Aufsuchen von Kraftorten, dies kann ein Ausflug in die Berge, zum See oder zum nahegelegenen Wald sein, ermöglicht es vielen Menschen, die Energiereserven „aufzutanken“ und dadurch gestärkt in den Alltag zurückzukehren.

Jede Situation, in der wir einen Energieraub erfahren, ist für den Organismus ein Stressor. Nach Lazarus ist die Reaktion auf einen Stressor abhängig von den „Gedanken, „den Beurteilungen“ und den „Bewertungen“ des Menschen, der diesem Stressor ausgesetzt wird. Die darauffolgende Stressreaktion geht in großem Maße mit der Resilienz des Menschen einher. Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, herausfordernde Situationen im Leben ohne bleibende Beeinträchtigungen zu meistern. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist resilienter als die beiden anderen Drittel. Trifft ein Therapeut, welcher resilienter ist, auf eine energieraubende Person, hat er mehr Ressourcen zur Verfügung diesen Energieraub auszugleichen. Diese Ressourcen sind jedoch nicht unerschöpflich. Wir stellen die These auf, dass resilientere Menschen leichter mit Energieräubern umgehen können.

Intervention bei Energieraub

Für uns stellt die Interventionsphase das „Herzstück“ der beschriebenen Thematik dar. Nachfolgend werden exemplarisch drei von vielen möglichen schützenden Werkzeugen für die beiden Zeitpunkte genannt:

  1. Situation annehmen und eine Bewertung vermeiden
  2. Während dem Kontakt mit dem Klienten „Mitfühlen und nicht Mitleiden“, auch bei Kunden mit traumatischen (Lebens-) Geschichten
  3. Nach dem Kontakt im Kurs bzw. auf der Trainingsfläche sich höflich, freundlich, aber bestimmend verabschieden

In der Interventionsphase haben sich unter anderem Elemente aus der Positiven Psychologie, aus dem Neuro-Linguistischen-Programmieren (NLP), aus der Transaktionsanalyse, aus dem Job Crafting – Ansatz sowie diverse Resilienzkonzepte als erfolgreiche Strategien erwiesen.

Transfer in die Praxis

Wenn der Trainer nicht nur die eigene Position, sondern auch die des Klienten und die eines außenstehenden Beobachters einnimmt, ermöglicht dieser Perspektivwechsel dem Trainer ein besseres Verständnis für den Energieräuber und führt unseres Erachtens nach zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung der energieraubenden Situation. Der Klient hat einen Beweggrund, wenn er zu einem Training erscheint, so dass es unseres Erachtens wichtig ist, den Klienten zu begrüßen und eine angenehme Trainingsatmosphäre zu schaffen. Sicherlich wird es Trainingssituationen geben, d. h. Aufeinandertreffen auf Kunden, bei denen die sogenannte Chemie von Anfang an als angenehmer erscheint und selbstverständlich wird dann das gemeinsame Training „angenehmer“ verlaufen. Wenn allerdings auf Deiner Stirn steht: „Erzähle mir all Deine Probleme!“, dann werden die Klienten dies auch tun.

Fazit

Dieser Fachartikel kann unseres Erachtens solch ein spannendes Phänomen nur begrenzt wiedergeben und stellt somit für viele nur einen kleinen Ausschnitt auf einem nahezu unbekannten Gebiet dar. Wir erachten es als wichtig, dass angehende Trainer(innen) entsprechend geschult werden, da dies im Lehrplan bei der Ausbildung zum Fitnesstrainer, aber auch in anderen verwandten Berufen, leider noch nicht vorgesehen ist. Wir möchten Trainer(innen) aus allen Fachbereichen ermutigen, sich klar gegenüber Energieräubern zu positionieren und achtsam, jedoch mit Bedacht, zu reagieren. Uns ist es wichtig zu betonen, dass die Arbeit des Trainers eine unglaublich bereichernde Tätigkeit darstellt, welche Energie schenken und somit zu einer Steigerung des Energieniveaus führen kann.

Oliver Schäfer & Tom Schuster


Oliver Schäfer ist Sportlehrer und Sporttherapeut. Außerdem ist er zertifizierter Advanced-NLP-Master, NLP-Master und NLP-Practitioner.

Tom Schuster ist derzeit im Masterstudiengang Sporttherapie, Prävention und Betriebliches Gesundheitsmanagement (IST). Außerdem ist er  Entspannungstherapeut und Entspannungspädagoge. Mehr Information zu Oliver Schäfer und Tom Schuster unter www.mastersofenergy.de


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