Anzeige

Existenzgründung

Existenzgründung

Schritte in die Selbstständigkeit als Personal Trainer |

Der Weg in die Selbstständigkeit ist für viele ein absoluter Traum. Unternehmer und Sportwissenschaftler Rainer Prang über die wichtigsten Facts zur Selbstständigkeit.

Sich in der Sportbranche als Personal Trainer selbstständig zu machen, erfordert einige Aufgaben mehr, als nur die des Coaches zu übernehmen. Da sind beispielweise die Aufgaben des Verkäufers, um seine Angebote auch unters Volk zu bringen, die des Buchhalters, des Organisators und Eventmanagers, des Beraters für alle erdenklichen Lebensbereiche seiner Kunden, die des Marketingfachmanns und nicht zuletzt auch ab und an die Rolle der Putzkraft im angemieteten oder eigenen Studio. Sein eigener Chef zu sein, seine eigene Marke zu kreieren und sein Leben selbstbestimmt gestalten zu können, heißt für viele auch, die eigene Leidenschaft und sein Hobby zum Beruf zu machen – vor allem im Berufsfeld „Sport und Gesundheit“.Vermeintlich steinig und schwer gestaltet sich der Weg oft zu Beginn, wenn es an die konkrete Planung geht – einfach ins Blaue hinein sollte niemand eine seriöse Unternehmung starten. Die bürokratischen, finanziellen und gesellschaftlichen Hürden, die wir hierzulande zu bewältigen haben, sind mannigfaltig, nicht immer nachvollziehbar und manchmal auch einfach nur lästig – jedoch leider selten zu vermeiden!

DIE ERSTEN SCHRITTE

Sofern man keine kaufmännische Ausbildung oder kein BWL-Studium absolviert hat, gilt es, sich wirklich intensiv mit einigen Dingen auseinanderzusetzen und sich Softskills anzueignen, die man als Angestellter im Sport- und Gesundheitsbereich wohl sonst nur selten bis nie benötigen würde. Allen voran ist es ratsam, einen Businessplan zu erstellen, in dem in verschiedenen Kapiteln die Unternehmensform, die Angebote, der Marktwert, die Stärken, eine Konkurrenzanalyse und nicht zuletzt die finanzielle Situation erläutert werden. Ob dieser dann Banken oder möglichen Teilhabern vorgelegt wird, wird sich später zeigen. Er ist für einen Unternehmer jedoch unerlässlich, sich mit den nötigen Aufgabengebieten auseinanderzusetzen und das eigene Business für die Zukunft zu planen und zu strukturieren.
Nicht zuletzt gilt es auch, eine grundlegende Finanzplanung zu erstellen sowie Einnahmen und Ausgaben möglichst sorgfältig und gewissenhaft zu kalkulieren, um potenziellen Geldgebern (Bank, Investoren, Förderern) und nicht zuletzt dem Finanzamt eine Kalkulation der zu erwartenden Umsätze einreichen zu können. Das Finanzamt wird anhand einer solchen Kalkulation die zu entrichtenden Steuervorausleistungen berechnen, je nachdem, welche Form der Unternehmung man wählt. Dabei mit hohen Erträgen zu pokern und unrealistisch hohe Umsätze für das erste Geschäftsjahr zu prognostizieren, könnte ebenso verheerende Folgen haben wie zu tief zu stapeln und am Ende des ersten Jahres eine hohe Nachzahlung plus hohe Vorausleistungen für das folgende Geschäftsjahr entrichten zu müssen.Ein Business aufzubauen heißt, sich im Vorfeld viele Gedanken zu machen, gut und realistisch zu planen, Eventualitäten zu berücksichtigen und sich selbst eingestehen zu können, ob man für diese Aufgabe wirklich bereit ist oder (noch) nicht. Nicht zu vergessen ist, dass viele der Überlegungen und Arbeitsgänge in unterschiedlichen Zeitabständen neu gedacht, erarbeitet oder angepasst werden müssen. Hierzu gehören u. a. Preisgestaltung, Vertragswesen, Marketing, Kundenkommunikation und Angebot.

SELBST UND STÄNDIG

Dennoch sollte sich niemand von all den neuen Aufgaben abschrecken lassen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Sein eigener Chef zu sein, seine individuellen Vorstellungen von Coaching, Gesunderhaltung, Leistungssteigerung usw. in die Tat umzusetzen, bringt neben hoher Eigenverantwortung auch eine hohe Zufriedenheit mit sich. Natürlich nur dann, wenn man auch für seine Arbeit und sein Tun brennt und die Erfolge seiner Kunden gern mitfeiert.


FIRST STEPS

Erstelle einen Businessplan

Dein Businessplan sollte dein Angebot, den Marktwert und eine Konkurrenzanalyse beinhalten. Lege hier auch deine Finanzen offen und erstelle eine konkrete Finanzplanung mit realistischen Einnahmen und Ausgaben.

Stelle dir diese Fragen
    • Bist du bereit, administrative Aufgaben zu übernehmen?
    • Findest du es spannend, an Verträgen, Quittungen etc. zu arbeiten?
    • Oder kannst du dir ein Outsourcing dieser Aufgaben leisten, wenn sie dir keinen Spaß machen?
    • Rein biomechanische Perspektive und damit rein Output-fokussiert

Beantwortest du diese Fragen mit „Ja“, dann kannst du für die Selbstständigkeit gemacht sein! Solltest du die Fragen mit „Nein“ beantworten, überlege dir gut, ob du wirklich für die Selbstständigkeit geeignet bist.

Als selbstständiger Personal Trainer ist man...
      • Verkäufer
      • Buchhalter
      • Organisator
      • Eventmanager
      • Berater
      • Marketingfachmann
      • Putzkraft

DIE BALANCE MUSS STIMMEN

Wenn jedoch der organisatorische, administrative und konzeptionelle Anteil der Selbstständigkeit sowohl in der Vorbereitung als auch im späteren Tagesgeschäft den eigentlichen Traum vom operativen Erbringen von Trainingseinheiten und dem Abhalten von Workshops oder Seminaren energetisch überwiegt und du nicht in der Lage bist, diesen Teil in vertrauensvolle Hände abzugeben, dann bleibe besser in einer Anstellung. Wenn du jedoch den administrativen Bereich sogar als wichtigen und spannenden Teil deiner Tätigkeit – sozusagen als Kontrollinstanz für deinen eigenen Erfolg – siehst und dir die Stunden am Schreibtisch mit Verträgen, Quittungen & Co. den Aufwand wert sind, dann starte in dein eigenes Business!. Hat man alles gut im Griff und ist selbstdiszipliniert oder konnte man die weniger geschätzten Tätigkeiten und Aufgaben erfolgreich outsourcen, kann der größte Teil der Arbeitszeit mit dem verbracht werden, wofür der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt wurde: ein erfolgreicher Trainer zu sein und Sportler erfolgreich zu ihren Zielen zu begleiten.

DAS PROBLEM MIT QUALIFIKATION

Rein rechtlich gesehen, kann sich in Deutschland jeder in fast allen Bereichen selbstständig machen als Trainer, Coach, Lehrer oder Therapeut und sich und seine Unternehmung als solches beim Gewerbe- und dem Finanzamt anmelden. Von offizieller Seite der Behörden wird standardmäßig nicht nach besonderen Qualifikationen gefragt. Wir haben in Deutschland keinerlei Begriffsschutz für „Trainer“, sofern keine spezifische Berufsbezeichnung wie „Physiotherapeut“ oder „Diplom-Sportlehrer“ genutzt wird. Die diversen Bezeichnungen deiner Tätigkeit sind somit vermeintlich einfach, sollten jedoch auch in deinem Sinne gut überlegt sein.

Es gibt eine Vielzahl an Qualifikationen – von Trainerscheinen bis hin zu Zertifikaten –, die man erwerben und mit denen man sich weiterqualifizieren kann. Hierbei ist der zeitliche, finanzielle und energetische Aufwand je nach Akademie und fachlicher Tiefe sehr unterschiedlich. Nicht jeder Kunde weiß von Anfang an den Unterschied zu schätzen, ob der Trainer die Ausbildung zum Personal Trainer in einem kurzen Wochenend-Workshop erlangt oder wirklich eine fundierte Ausbildung absolviert hat – die geht nicht über Monate, sondern Jahre.. So wird es immer schwarze Schafe in der Branche geben, die ohne fundiertes Know-how ein Gewerbe anmelden und unwissende Kunden nach Lust und Laune beraten, abkassieren und ohne qualitative Ausbildung und Fachwissen ihrer Trainertätigkeit nachgehen. Leider können viele Kunden diese Angebote nicht direkt von seriösen Angeboten unterscheiden und so sind auch diese Trainer in der Lage, einen eigenen Kundenstamm aufzubauen und mit ihrem gefährlichen Halbwissen in puncto Training und Fitness eine Unternehmung zu betreiben.

DER EIGENE QUALITÄTSANSPRUCH

Hier gilt es, Ruhe zu bewahren, sich auf den eigenen fachlichen Anspruch und die Qualität der eigenen Arbeit zu konzentrieren. Qualität wird sich am Ende des Tages in allen Bereichen durchsetzen, auch wenn es in der Natur des Menschen liegt, ab und an auf das „Super-Sparangebot“ reinzufallen und im schlimmsten Fall irgendwann vor den Trümmern seines „Einkaufs“ zu stehen. Wollen wir also mit unserer Unternehmung punkten, uns ein eigenes Denkmal setzen und eventuell sogar unseren Kindern ein nachhaltiges Business hinterlassen, kommen wir nicht umhin, authentisch zu bleiben, unsere Werte zu etablieren, einen langen Atem zu beweisen sowie uns und anderen immer wieder klarzumachen, was wir wirklich können. Qualifizierte Ausbildungen zum Personal Trainer und weitere seriöse Fitnesslizenzen sollten wir erwerben, um unserem Anspruch an die eigene Tätigkeit gerecht zu werden und unseren Kunden die bestmögliche professionelle Beratung und Trainingsunterstützung zu bieten. Für alle anderen Aufgaben legen wir uns immer wieder ins Zeug und lernen dazu oder übergeben sie anderen Profis.
Wichtig bei alldem ist es, stets offen und bereit für Veränderungen zu sein. Denn wie sagte J. W. Goethe bereits: „Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein Werdender wird immer dankbar sein.“


RAINER PRANG

ist Diplom-Sportwissenschaftler, Unternehmer und Inhaber der Sportakademie Prang in Köln. Als Dozent der Deutschen Sportakademie unterstützt er außerdem angehende Sportwissenschaftler auf ihrem Weg zur professionellen und qualifizierten Arbeit in der Sport- und Fitnessbranche.
www.deutschesportakademie.de


Fotos: Bits and Splits – stock.adobe.com

Dieser Artikel erschien in der TRAINER-Ausgabe 5-2022:

Trainer-Cover-5-2022

 

Anzeige

Das könnte dich auch interessieren

Trainer – im Abo

Online-Ausgaben 2022-05

Jetzt kostenlos abonnieren!

News für Trainer

Anzeige