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Ist Neuroathletik evidenzbasiert?

Ist Neuroathletik evidenzbasiert?

Wer bei Google Scholar und anderen Suchmaschinen wissenschaftliche Artikel zu Neuroathletik sucht, wird nicht fündig. Ausgehend von dieser Tatsache ziehen viele Trainer die Schlussfolgerung, Neuroathletiktraining sei nicht evidenzbasiert. Zur Klärung der einleitenden Frage sollen zwei Punkte genauer betrachtet werden:

1. Was bedeutet „evidenzbasiert“?

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Laut den Evidenzklassen der evidenzbasierten Medizin gilt eine Erkenntnis als „gesichert“, wenn sie durch mindestens eine randomisierte, kontrollierte Studie gestützt wird. Um eine Erkenntnis allerdings dem höchsten Evidenzgrad zuordnen zu können, werden Metaanalysen von mehreren dieser randomisierten, kontrollierten Studien benötigt.
Überträgt man diese strikten Kriterien auf die Sportwissenschaft, liegt die Quote der evidenzbasierten Erkenntnisse im einstelligen Prozentbereich. Demzufolge können auch Trainer kaum evidenzbasiertes Training anbieten, und zwar deshalb nicht, weil es kaum gesicherte Erkenntnisse gibt. Der Terminus „evidenzbasiertes Training“ klingt lediglich professionell und soll Vertrauen schaffen, ist letztendlich aber nur eine hohle Phrase, mit der Kunden angelockt werden.

2. Gibt es wissenschaftliche Grundlagen für Neuroathletiktraining?

Letztendlich ist Neuroathletiktraining die Integration der funktionellen Neurologie ins Athletiktraining. Im Bereich der (funktionellen) Neurologie gibt es bereits etliche Studien, die auch die Wirksamkeit von im Neuroathletiktraining eingesetzten Werkzeugen und Herangehensweisen auf einer wissenschaftlichen Basis stützen. Diese Erkenntnisse sind in ausgewählten Büchern der Neuroanatomie oder über wissenschaftliche Suchmaschinen jedem von uns zugänglich. Allein die Eingabe „Visual Training“ führt bei Google Scholar zu einer Trefferanzahl von über 4 Millionen. Die Eingabe „Neuroathletik“ wird hingegen erfolglos bleiben, weil das Gesamtkonstrukt der Neuroathletik viel zu umfassend ist.
Entscheidend ist, welchen Maßstab man ansetzt. Wenn der Maßstab ist, dass es eine wissenschaftliche Basis zu den einzelnen Teilbereichen gibt, der sich in der Praxis sehr erfolgreich abbilden lässt, ist die Frage mit Ja zu beantworten. Wenn man den höchsten Grad der Evidenzklassen betrachtet, ist fast nichts im Training evidenzbasiert.


YASSIN JEBRINI
Der Sportwissenschaftler M.A. und Z-Health-Absolvent arbeitet als Neuroathletiktrainer mit Profi- und Freizeitsportlern. Zusätzlich ister als Referent tätig und bildet Trainer in Neuroathletik aus.
www.jebrini-training.de


Diesen sowie weitere Artikel findest du in der TRAINER Ausgabe 01|2022

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