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Wissensvermittlung im Training

Wissensvermittlung im Training

Erkläre ihnen, was sie tun!

Erlebst du als Trainer auch manchmal die Situation, dass Kunden Bewegungen fehlerhaft ausführen, obwohl du ihnen die Übung ausführlich erklärt, perfekt demonstriert und sie korrigiert hast? Uschi Moriabadi stellt mögliche Gründe und Lösungsansätze dafür vor.

Als Trainer bereitest du jede Trainingseinheit sorgfältig vor. Du hast die Voraussetzungen deiner Kunden abgefragt, kennst ihre Trainingsziele und auf dieser Basis hast du einen Trainingsplan gestaltet bzw. die Kursinhalte festgelegt. Aber: Sprichst du darüber auch mit deinen Kunden?
Meistens steigen wir schnell in das eigentliche Training ein. Was dabei oft fehlt, ist eine Information für unsere Kunden, warum wir welche Übungen durchführen, welche Ziele mit den ausgewählten Übungen verfolgt werden, welche Schlüsselsequenzen bei der Bewegung besondere Aufmerksamkeit benötigen und welche Vorteile diese Übung für das Wohlbefinden des Trainierenden bringt. So werden die Übungen von unseren Schützlingen zwar ausgeführt, aber selten mit der nötigen Aufmerksamkeit und dem tiefen Bewusstsein für die eigentlichen Abläufe im Körper. Schenkst du nun der „Wissensvermittlung“ im Training ein wenig mehr Aufmerksamkeit, werden sich die Trainingsqualität und auch die Motivation deiner Kunden im Laufe der Zeit merklich verbessern.

Anforderungen an die Trainer

Im „Groben“ erklärst du sicherlich deinen Kunden, wie und warum sie die ein oder andere Übungen durchführen sollen. Hier bietet sich allerdings noch Raum zur Optimierung. Dazu gehört natürlich zuerst einmal, dass du als Trainer das notwendige Fachwissen z.B. über anatomische Zusammenhänge hast oder vielleicht als Yogatrainer tatsächlich über die Hintergründe der Yogaphilosophie informiert bist. Denn nur dann kannst du auch deinen Kunden diese Informationen weitergeben. Nutze Fachbücher, Internet und deine Ausbildungsunterlagen, um dich immer wieder in die Thematik des Trainings einzuarbeiten. Hospitiere bei erfahrenen Kollegen, frage sie um ihre Meinung zu bestimmten Themen und schaue über den Tellerrand. Oft findet man auch in angrenzenden Themengebieten wie z.B. Medizin, Psychologie, Atemtherapie, Yoga oder Pilates hilfreiche Erkenntnisse und neue Ideen.


CHECKLISTE ZUR VORBEREITUNG

  • Themenfeld der Übung (Krafttraining, Yoga, Wirbelsäulengymnastik etc.)
  • Übungsbezeichnung
  • Ziel der Übung
  • Beteiligte Muskeln (aktiv, stabilisierend etc.)
  • Schlüsselsequenzen der Bewegung
  • Begleitender Atemrhythmus
  • Bezug zum Alltag

Bessere Ausführung durch Hintergrundwissen

Hier ein Beispiel: Die Übung „Latzug“ gehört für viele Kunden zum grundlegenden Trainingsprogramm. Fast jeder Fitnesssportler kennt diese Bewegung und im ersten Trainingstermin wird sie natürlich vom Trainer demonstriert. Erzählst du deinen Kunden aber auch etwas von der Aufgabe bzw. der Funktion des Latissimus oder über die Bewegungskette? Wo wird die Bewegung im Körper ausgelöst, welche Muskeln arbeiten aktiv, welche Muskeln stabilisieren? Erklärst du ihnen, dass sie den Beckenboden anspannen sollen, indem sie ihre Sitzbeinhöcker zueinanderziehen und gleichzeitig die Bauchmuskeln aktivieren sollen, um den Rumpf bei der Zugbewegung zu stabilisieren? Leitest du an, dass der Latzug mit einer Bewegung der Schulterblätter ausgelöst wird? Wenn ja, dann bist du auf dem richtigen Weg! Denn diese Art der Anleitung und Erklärung hilft dem Trainierenden, die Übung wirklich zu verstehen, und er wird sie mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit und einem besseren Verständnis durchführen.

Über Stundeninhalt informieren

Die gleiche Vorgehensweise gilt bei Kursformaten. Informiere deine Teilnehmer zu Beginn einer jeden Stunde über die ausgewählten Trainingsinhalte: Warum wurden sie ausgewählt, welches Ziel wird verfolgt und was sind beispielsweise die physiologischen Hintergründe. So könntest du in einer Yogastunde das Thema „Rotation der Wirbelsäule“ als Schwerpunktthema wählen und die Teilnehmer im Verlauf des Trainings über Folgendes informieren:

  • Funktion der Wirbelsäue,
  • Bewegungsrichtungen der Wirbelsäule,
  • Zusammenspiel der Wirbelsäule mit den Organen,
  • Funktion der Faszien,
  • bewusster Einsatz der Atmung in der Bewegung,
  • stabile Körpermitte als Schutz vor Verletzung,
  • Bezug zum Alltag.

Nicht alle Informationen auf einmal geben

Die Gefahr bei dieser Vorgehensweise ist, dass das Training in eine Vorlesung ausarten könnte, in der der Kunde gelangweilt zuhört und das eigentliche Training zu kurz kommt. Daher solltest du darauf achten, die Informationen „scheibchenweise“ weiterzugeben. Grundlegende Zusammenhänge werden kurz und prägnant mit einfachen Worten zu Beginn des Kurses erklärt. Weitere Hinweise z.B. zur Übungsausführung, zu Muskelfunktionen oder zur Atmung kannst du dann immer mal wieder während der eigentlichen Übungsausführung bzw. im Kursverlauf anbringen. So wissen die Kunden von Beginn an, was sie wie und warum machen sollen, und bekommen während des eigentlichen Trainings unbewusst weitere wichtige Informationen. Behalte dabei immer deine Kunden im Auge. Nicht jeder Kunde kann Informationen auf die gleiche Art und Weise verarbeiten. Manche verstehen gleich, was du meinst, andere benötigen einen zusätzlichen Hinweis. Motiviere deine Kunden auch immer dazu, Fragen zu stellen!

Verbesserte Trainingsqualität und Motivation

Wenn du in deinen Trainingsterminen bzw. Kursen das Thema „Wissensvermittlung“ in Zukunft ein wenig mehr integrierst, wirst du schnell merken, dass sich sowohl bei dir als auch bei den Kunden etwas verändert. Die Trainingsqualität wird sich insgesamt verbessern: Es werden weniger Fehler gemacht. Die Kunden sind möglicherweise motivierter, da sie nun endlich wissen, warum sie trainieren, sowie die Zusammenhänge zwischen Training und Alltag verstehen. Und sie werden sich bei dir sehr gut aufgehoben fühlen, da du die Trainingsübungen nicht nur anleitest, sondern ihnen zusätzlich viele interessante Informationen vermittelst und sie individuell betreust – und das wird dir wiederum eine tolle Motivation für deine Arbeit sein!

Uschi Moriabadi | Die Diplom-Sportlehrerin ist als Dozentin für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement sowie die BSA-Akademie tätig. Sie ist eine gefragte Autorin zu den Themen „Yoga“, „Pilates“, „Fitness“ und „Gesundheit“, arbeitet als Personal Trainerin und betreut Einzelpersonen und Gruppen im Themenfeld „Stressmanagement“. www.dhfpg-bsa.de

Fotos: motortion – stock.adobe.com; Foto Arts – stock.adobe.com

 

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